Einleitung
In dieser besonderen Episode des Potentiale Nutzen! Podcast spricht Stephan Buchhester mit Rapper und Labelchef PA Sports – bürgerlich Parham Vakili – über die Doppelrolle als Künstler und Unternehmer. PA Sports ist nicht nur als erfolgreicher Musiker bekannt, sondern führt auch seit vielen Jahren das Label Life is Pain.
Das Gespräch dreht sich um die Herausforderungen, die entstehen, wenn man gleichzeitig kreativer Künstler und strategischer Entscheider ist, und um die Frage, wie man beide Rollen miteinander vereinbaren kann, ohne dabei die eigene künstlerische Identität oder das Unternehmenswachstum aus den Augen zu verlieren.
Zwischen Bühne und Bürotisch – Zwei Rollen im Widerstreit
PA Sports beschreibt die Rollen des Künstlers und des Labelchefs als „zwei komplett konträre Positionen“. Während der Künstler von Emotionen, Kreativität und zwischenmenschlichen Beziehungen lebt, verlangt die Rolle des Unternehmers klare Entscheidungen und rationales Handeln.
Gerade in einem Rap-Label, in dem persönliche Freundschaften zwischen Labelchef und Künstlern entstehen, wird es oft schwierig, Geschäftliches und Privates zu trennen. „Das liegt in der Natur der Sache“, sagt PA Sports, „wenn du als Künstler selber noch so ein Unternehmen führst.“
Die unterschätzte Last des Unternehmers
Überraschungen im geschäftlichen Teil gab es für PA Sports kaum – er wusste, wie die Abläufe in einem Label funktionieren. Die wahre Herausforderung liegt für ihn in den zwischenmenschlichen Dynamiken.
Emotionen herauszuhalten ist ein zentraler Erfolgsfaktor:
„Wenn du es schaffst, alles rational zu betrachten, kannst du das Unternehmen auf ein gewisses Level bringen.“
Viele Rapper-Kollegen hätten ihre Labels nach kurzer Zeit wieder aufgegeben, weil emotionale Konflikte zu sehr belasteten. PA Sports versucht daher, das eigene Ego auszublenden und immer im besten Interesse seiner Künstler zu handeln – selbst, wenn diese erfolgreicher werden als er selbst.
Die Schwierigkeit, Künstler zu bleiben
So sehr die Doppelrolle Vorteile bringt, so sehr steht sie auch seiner eigenen Kreativität im Weg. Der administrative Betrieb eines Labels erfordert Konzentration, Zeit und Energie – Ressourcen, die dann im Studio fehlen.
Um in einen echten kreativen Flow zu kommen, reist PA Sports gern für längere Studio-Sessions ins Ausland, etwa nach Santorini oder in die Schweiz. Diese Distanz zum Alltagsgeschäft hilft ihm, sich vollständig auf die Musik zu fokussieren. In seiner täglichen Umgebung dagegen sei es schwer, die Unternehmerrolle abzuschalten.
Kontrolle und Vertrauen – ein Balanceakt
PA Sports arbeitet bewusst mit einem kleinen Team, da er es schwer findet, Kontrolle abzugeben. „Das müsste jemand sein, der es mindestens genauso gut kann wie ich.“
Sein tiefes Branchenwissen stammt aus über 20 Jahren Erfahrung im Deutschrap – etwas, das sich nur schwer ersetzen lässt. Frühere Versuche, mehr Verantwortung an andere zu übergeben, führten oft zu Enttäuschungen und zusätzlicher Arbeit.
Er sieht die Gefahr, dass beim Delegieren die Intensität und Leidenschaft verloren gehen, mit der er selbst an sein Label herangeht. Ein Mitarbeiter, der dieselbe Begeisterung teilt, sei daher „Mangelware am Markt“.
Mehr als nur Musik: Rundum-Betreuung der Künstler
Offiziell besteht die Arbeit einer Plattenfirma darin, Songs zu produzieren, zu veröffentlichen und zu vermarkten. Doch PA Sports kümmert sich oft weit darüber hinaus – auch um private oder finanzielle Probleme seiner Künstler.
Dieses „360-Grad-Paket“ sorge dafür, dass viele Artists ihre Verträge verlängern, statt sich zu trennen. Gleichzeitig bindet es enorm viel Zeit und Energie:
„Manchmal hänge ich anderthalb Stunden am Telefon, um wortwörtlich irgendeinen Bullshit zu klären, der eigentlich nicht meine Aufgabe sein sollte.“
Tipps für junge Künstler
Auf die Frage, welche Empfehlungen er jungen Künstlern geben würde, die ebenfalls Unternehmer werden wollen, antwortet PA Sports:
- Selbsterkenntnis: Nicht jeder Künstler ist für die Doppelrolle geeignet.
- Strukturen nutzen: Wenn ein Label gut funktioniert, sollte man nicht vorschnell auf eigene Faust starten.
- Finanzielle Realität verstehen: Mehr Prozente bedeuten nicht automatisch mehr Geld – oft schrumpft der Kuchen ohne Label im Rücken.
Er selbst sei Unternehmer geworden, weil er zu einer Zeit startete, als Deutschrap wirtschaftlich kaum Unterstützung bekam. Heute gäbe es andere Möglichkeiten, ohne sofort ein eigenes Label zu gründen.
Wechselseitige Vorteile beider Rollen
Die Erfahrung als Künstler hilft ihm, Talente zu erkennen und Hits vorauszuahnen. Umgekehrt stärkt seine Unternehmerrolle sein Standing als Rapper und öffnet Türen zu Kollaborationen mit jungen, aufstrebenden Artists.
Diese Synergie bringt aber auch zusätzlichen Stress, da beide Rollen nie vollständig getrennt werden können. Authentizität, Kredibilität und Realness bleiben für ihn dennoch unverzichtbare Werte – sowohl in der Musik als auch im Business.
Blick in die Zukunft
In zehn Jahren wünscht sich PA Sports, als Unternehmer nur noch die wichtigsten Entscheidungen zu treffen und den Rest des Tages Künstler zu sein.
Sein Traum als Musiker: ein Studio in einer Villa am See, in dem er in Ruhe zeitlose Alben produziert.
Ob und wie dieser Spagat gelingen wird, hängt davon ab, ob er eine verlässliche Struktur findet, die sein Vertrauen verdient – und ihm damit endlich Raum für seine künstlerische Arbeit lässt.
Fazit
Die Episode zeigt eindrucksvoll, wie schwierig, aber auch bereichernd es sein kann, Künstler und Unternehmer zugleich zu sein. PA Sports beweist, dass Leidenschaft, Disziplin und Selbstreflexion entscheidend sind, um beide Welten zu vereinen.
Sein Rat: Kenne deine eigenen Stärken, bewahre Authentizität und entscheide klug, welche Rolle zu welchem Zeitpunkt im Vordergrund steht.
Höre jetzt rein!
Höre unbedingt in diese Episode rein, teile den Podcast gerne mit Freunden und Familie oder sende uns dein Feedback und Themenvorschläge an hallo@potentiale-nutzen-podcast.de.



