PNP012 - Soziale Verantwortung: Zwischen Eigeninitiative und Gemeinschaft

Coverbild zur Episode PNP012

Was bedeutet eigentlich soziale Verantwortung?

Ist es das Unterlassen von Fehlverhalten, aktives Engagement in der Nachbarschaft oder die Unterstützung fremder Menschen? In Episode 12 des Potentiale Nutzen! Podcast diskutieren Konstantin Kowalski und Stephan Buchhester, warum soziale Verantwortung mehr ist als nur ein moralisches Schlagwort.

Die beiden werfen einen psychologischen Blick darauf, wie Menschen soziale Verantwortung lernen, wie sie in unterschiedlichen Lebensphasen wahrgenommen wird und warum Eigeninitiative ein Schlüssel zu einem funktionierenden Zusammenleben ist.


Soziale Verantwortung beginnt im Kleinen

Konstantin beschreibt soziale Verantwortung als unpolitische Demokratie durch Eigeninitiative:

„Es bringt nichts, nur zu meckern. Wenn dich etwas stört, dann tu doch was.“

Ob es darum geht, älteren Nachbarn beim Einkaufen zu helfen oder Sperrmüll im Hausflur zu beseitigen – Verantwortung zeigt sich oft in kleinen, alltäglichen Handlungen.

Beispiel aus der Nachbarschaft: Als im Fahrradraum alte Möbel und Geräte abgestellt wurden, organisierte Konstantin eine gemeinsame Aktion, markierte Fahrräder, bereitete eine alte Bank auf und stellte sie allen Hausbewohnern zur Verfügung. So entstand aus einem Problem ein neuer Treffpunkt.


Eigenverantwortung vs. soziale Verantwortung

Ein wichtiger Punkt ist die Abgrenzung:

  • Eigenverantwortung bedeutet, den eigenen Müll ordentlich zu entsorgen.
  • Soziale Verantwortung beginnt, wenn man zusätzlich den Müll anderer wegräumt oder gemeinschaftlich nach Lösungen sucht.

Soziales Engagement kann dabei viele Formen annehmen – von Nachbarschaftshilfe bis hin zu Ehrenamt und Vereinsarbeit.


Verantwortung im Lebensverlauf

Stephan betont, dass soziale Verantwortung über die Lebensspanne hinweg unterschiedliche Formen annimmt:

  • Kindheit: Erlernen von Grundkompetenzen wie Konfliktlösung oder empathischem Verhalten.
  • Erwachsenenalter: Fähigkeit, aktiv zu handeln – durch Spenden, Engagement in Vereinen oder konkrete Hilfsprojekte.
  • Höheres Alter: Verantwortung durch „kompetentes Altern“, also die Fähigkeit, fit und eingebunden zu bleiben, um die Gemeinschaft nicht unnötig zu belasten.

Dabei zeigt sich: Soziale Verantwortung ist nicht statisch, sondern verändert sich mit den sozialen Rollen, die wir im Leben einnehmen.


Emotionen und Hamsterkäufe

Anhand der Hamsterkäufe während der Pandemie wird deutlich, wie stark Emotionen unser Verantwortungsgefühl beeinflussen.

Konstantin erzählt von einem Mann im Anzug, der palettenweise billige Dosensuppen kaufte – für ihn ein Zeichen fehlender Verantwortung gegenüber ärmeren Menschen. Stephan ergänzt jedoch die psychologische Perspektive:

„Menschen mit viel Besitz haben oft größere Angst, etwas zu verlieren. Ihre Angst ist real, auch wenn sie aus rationaler Sicht unbegründet wirkt.“

Dieses Beispiel zeigt, dass Verantwortung nicht immer rational abläuft, sondern eng mit Ängsten und sozialer Identität verbunden ist.


Soziale Identität als Schlüssel

Verantwortung entsteht oft durch soziale Identität – also durch die Gruppe, mit der wir uns vergleichen.

Wenn wir wahrnehmen, dass Menschen in ähnlichen Lebenssituationen handeln, passen wir unser Verhalten eher an.

Stephan erklärt:

„Wir brauchen Ähnlichkeiten zwischen Menschen, um soziale Verantwortung zu entwickeln. Identität schafft Engagement.“

So funktioniert zum Beispiel das Konzept von Roundtable: Menschen aus unterschiedlichen Berufen investieren nicht Geld oder Fachwissen, sondern Zeit – und finden so eine gemeinsame Basis, um benachteiligte Gruppen zu unterstützen.


Praktische Beispiele für Engagement

Die Episode zeigt verschiedene Möglichkeiten, soziale Verantwortung zu leben:

  • Ehrenamt wie Vorlesen im Kinderheim oder Betreuung von Sportveranstaltungen für Menschen mit Behinderungen.

  • Bewusstes Konsumverhalten, etwa regionale Produkte kaufen oder auf nachhaltige Verpackungen achten.

  • Vorbildfunktion für Kinder – etwa durch die „dritte Spardose“, in die Konstantins Kinder regelmäßig einen Teil ihres Taschengeldes für Spenden legen.

Dabei gilt: Engagement muss nicht selbstlos sein. Auch wenn es persönliche Vorteile bringt – etwa neue Kontakte oder ein gutes Gefühl – verliert es dadurch nicht seinen Wert.


Soziale Verantwortung ohne Fingerzeig

Ein wichtiger Aspekt ist, dass Verantwortung nicht durch Zwang oder Vorwürfe entsteht, sondern durch Einladung und Kooperation.

Beispiel: Beim Grillen im Freundeskreis könnte man vorschlagen, nachhaltige Produkte zu verwenden oder Pfandflaschen für einen guten Zweck zu sammeln – ohne den anderen ein schlechtes Gewissen zu machen.

So wird soziale Verantwortung zu einem gemeinsamen Prozess, der verbindet, statt zu trennen.


Fazit

Soziale Verantwortung bedeutet:

  • Eigeninitiative zeigen, statt nur zu kritisieren.
  • Rollenbewusst handeln – Verantwortung verändert sich je nach Lebensphase.
  • Emotionen und Ängste ernst nehmen, statt nur rational zu urteilen.
  • Identität und Gemeinsamkeit nutzen, um Engagement zu fördern.
  • Praktische Schritte umsetzen, die den Alltag bereichern und Gemeinschaft stärken.

Am Ende gilt: Verantwortung lebt von kleinen Gesten – und davon, dass wir sie nicht nur denken, sondern auch tun.


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